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Le Bisse Cognitif

Notiz Nr. 8

Klinisches Vertrauen lässt sich nicht importieren

3 Min. Lesezeit

Ende Juni berichtet das Idiap über seine Arbeiten, die auf verlässliche und lokal stimmige Werkzeuge der künstlichen Intelligenz für die Walliser Patienten zielen. Die Formulierung verdient, dass man bei ihr verweilt, denn sie besagt nicht, was man zunächst darin zu lesen glaubt. Es geht diesmal nicht um die auf diesen Seiten bereits geführte Debatte über das Bestehen einer souveränen schweizerischen Schicht gegenüber den grossen ausländischen Laboren. Jene Debatte ist zum grossen Teil entschieden. Die, die mich hier beschäftigt, spielt sich auf einer feineren Ebene ab, und sie löst sich nicht auf dieselbe Weise.

Ein allgemeines medizinisches Werkzeug, so gut es auch trainiert sei, lernt an Massen von Akten, Publikationen und Protokollen, die von überall und von nirgends im Besonderen kommen. Es weiss im Durchschnitt viele wahre Dinge. Was es von Grund auf nicht weiss, ist, wie eine bestimmte Abteilung des Spitals Wallis einen Patienten aus einer Talpraxis nach Sitten weiterleitet, welche Untersuchungen vor Ort geschehen und welche eine Fahrt verlangen, die Worte, die ein Patient von sechzig Jahren einem Schmerz gibt und die ein andernorts trainiertes Modell falsch deuten kann. Nichts Spektakuläres in dieser Aufzählung, und gerade deshalb tritt sie in der öffentlichen Debatte nie zutage, obwohl sie bestimmt, ob ein Werkzeug wirklich hilft oder ob es eine Übersetzungsschicht zwischen dem Patienten und denen einzieht, die ihn behandeln.

Das Spital Wallis beschäftigt mehr als sechstausend Menschen. Diese Zahl gibt das Mass dessen, was zu ersetzen wäre, wenn man sich damit begnügte, einen generalistischen Dienst an ein System dieser Grösse anzuschliessen, ohne es je an seine eigenen Abläufe anzupassen. Das ist nicht, was das Idiap vorschlägt. Das Institut, seit seiner Gründung vor fünfunddreissig Jahren in Martigny ansässig und von Anfang an durch die Spracherkennung und die Sprachverarbeitung geprägt — also durch die genaue Weise, in der ein Mensch formuliert, was ihm fehlt —, sucht in meinen Augen nicht, den grossen Modellen auf ihrem Feld, der rohen Rechenkraft, Konkurrenz zu machen. Es besetzt das Feld, das sie leer lassen: die lokale Stimmigkeit, die klinische Validierung, das Vertrauen, das ein Behandelnder einem Vorschlag schenken kann, weil er dessen Herkunft kennt.

Die meisten Spitäler, ob walliserisch oder nicht, haben weder die Mittel noch die Bestimmung, ein medizinisches Modell von Grund auf zu trainieren, und die Wahl zwischen dem Akteur und der Vitrine entscheidet sich nicht an dieser karikaturhaften Alternative. Sie entscheidet sich dazwischen: Geschehen die Anpassung, die Validierung, die feine Parametrierung eines Werkzeugs für eine bestimmte Abteilung hier, mit Leuten, die für ihre Entscheidungen vor den betroffenen Patienten einstehen, oder nimmt das Spital ein geschlossenes Produkt hin, andernorts geliefert, ohne Einblick in das, was es korrigiert, verallgemeinert oder übergeht?

Das ist sie, die praktische Souveränität in der Medizin. Nicht die abstrakte Fähigkeit eines Landes, zu sagen, dass es seine Modelle besitzt, sondern die konkrete Fähigkeit einer Abteilung, zu sagen, woher jede Empfehlung stammt und warum sie auf diesen Patienten zutrifft und nicht auf einen statistisch durchschnittlichen Patienten. Ein Talarzt kann seine Entscheidung in einem Satz erklären, weil er seinen Patienten seit fünfzehn Jahren kennt. Ein ohne Anpassung importiertes Werkzeug wird die seine nie auf dieselbe Weise erklären können, wie gut das Modell auch sei, das sie hervorbringt, und ein Patient spürt es, auch wenn er es nicht in diesen Worten zu fassen wüsste.

Man behandelt eine Bevölkerung nicht mit einem Werkzeug, das sie im Durchschnitt kennt. Man behandelt sie mit einem Werkzeug, das wenigstens ein wenig weiss, woher sie kommt.

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Die französische Fassung ist massgebend.