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Le Bisse Cognitif

Kapitel 04

Bisses, bourgeoisies, consortages

11 Min. Lesezeit

Menschen halten, anziehen, weitergeben – das setzt kollektive Rahmen voraus, in die sich die individuelle Laufbahn einschreiben kann. Die Frage des qualifizierten, ansässigen Humankapitals ist also nicht nur wirtschaftlicher oder demografischer Natur; sie ist ebenso sehr eine institutionelle Frage. Nun besitzt das Wallis auf diesem Gebiet seltene, über mehrere Jahrhunderte gewachsene Rahmenwerke, die vielleicht seinen am wenigsten anerkannten Trumpf darstellen. Dieses Kapitel und die beiden folgenden betrachten dieses Erbe als einen Aktivposten, den es zu aktivieren gilt, und nicht als ein Kulturgut, das unter einer Glasglocke zu bewahren wäre.

Was das Wallis auf diesem Feld wirklich auszeichnet, versteht man am besten von einem kleinen Dorf im Oberwallis aus, das die meisten Walliserinnen und Walliser selbst kaum kennen und das dennoch in der Geistesgeschichte des letzten halben Jahrhunderts einen Platz einnimmt, den nur wenige Schweizer Gemeinden für sich beanspruchen können.

Der Umweg über Törbel

Törbel ist ein Dorf mit rund fünfhundert Einwohnern, das an einem sonnigen Hang oberhalb von Visp klebt, auf etwa eintausendfünfhundert Metern¹³ Höhe. Es hat alles, was das Wallis-Klischee ausmacht: von der Sonne gebräunte Chalets, enge Gassen, alpages – gemeinsam genutzte Hochweiden für die Sommerweidewirtschaft –, darunterliegende Rebberge. Es hat aber auch eine Besonderheit, die sich kaum ein anderes Dorf zuschreiben kann. Ein gemeinschaftliches Rechnungsbuch wird hier seit dreihundertfünfzig Jahren ununterbrochen geführt, und sein Gründungsakt reicht bis ins Jahr 1483 zurück¹⁴. In jenem Jahr schlossen die Bauern von Törbel untereinander einen Vertrag, der die gemeinsame Nutzung der Wiesen, Wälder und Bewässerungskanäle regelte. Dieser Vertrag wurde fünf Jahrhunderte lang eingehalten.

Diese Kontinuität weckte schliesslich die Aufmerksamkeit eines amerikanischen Anthropologen, Robert Netting, der sich im Laufe der 1970er-Jahre im Dorf aufhielt (insgesamt rund achtzehn Monate zwischen 1970 und 1977¹⁵). Er durchforstete die Gemeindearchive und beobachtete konkret, wie eine Gemeinschaft funktioniert, die ihre knappen Ressourcen seit dem Mittelalter gemeinsam verwaltet. Das Buch, das daraus entstand, Balancing on an Alp, erschienen 1981, wurde zu einem Standardwerk der ökologischen Anthropologie. Es fand vor allem die Aufmerksamkeit einer amerikanischen Politikwissenschaftlerin, Elinor Ostrom, die seit Langem einer Frage nachging, die die Wirtschaftswissenschaft für gelöst hielt: Wie verwaltet man eine gemeinsam genutzte Ressource dauerhaft, ohne sie zu privatisieren oder zu verstaatlichen?

Die Frage galt seit einem berühmten Artikel von Garrett Hardin aus dem Jahr 1968¹⁶ als geklärt. Jede gemeinsam genutzte Ressource, so Hardin, werde von ihren Nutzern unweigerlich bis zur Erschöpfung übernutzt; er nannte dies die Tragödie der Allmende. Die einzigen aus seiner Sicht vernünftigen Auswege: das Gemeingut in Privateigentum aufteilen, oder es einem Staat anvertrauen, der seine Nutzung gesetzlich regelt. Zwischen Markt und Staat schien nichts zu bestehen.

Ostrom griff in den 1980er-Jahren auf den Fall Törbel zurück, anhand der von Netting geduldig zusammengetragenen Daten. Sie fand darin einen dritten Weg, der tatsächlich lebendig war – und das seit fünfhundert Jahren. Das Dorf besass seine Gemeinweiden, auf denen jeder so viele Tiere weiden lassen konnte, wie er wollte, unter einer einzigen Bedingung: Er musste sie im folgenden Winter auch füttern können. Diese eine Regel verhinderte mechanisch das Wettrennen um immer grössere Sommerherden, das die Alp ruiniert hätte. Der bisse des Dorfes – so heisst der offene Bewässerungskanal, der das Gletscherwasser den Hängen entlangführt, im Wallis auch als Suone bekannt – folgte einem verwandten Prinzip. Jeder Berechtigte erhielt einen Wasseranteil proportional zu seinem Beitrag zum Unterhalt des Kanals, und die Bewässerung begann mit dem ersten Sonnenstrahl auf dem Weisshorn: ein Uhrwerk der Natur, transparent und unantastbar, das in einer Gesellschaft funktionierte, in der nur wenige lesen konnten.

Ausgehend von Törbel, erweitert um vergleichbare Fälle in Japan, auf den Philippinen und in Spanien, leitete Ostrom acht Gestaltungsprinzipien ab, die dauerhafte Institutionen der Allmendeverwaltung auszeichnen: klare Grenzen, an die lokalen Gegebenheiten angepasste Nutzungsregeln, die Beteiligung der Nutzer an deren Ausarbeitung, und, damit das Ganze trägt, gegenseitige Überwachung, abgestufte Sanktionen, Mechanismen zur Konfliktlösung, die Anerkennung lokaler Autonomie sowie die Einbettung in mehrstufige Strukturen. Diese acht Prinzipien begründeten eine ganze Schule der institutionellen Analyse. Sie trugen Ostrom 2009 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften ein – als erster Frau überhaupt. Sie inspirieren bis heute die Denker der digitalen Gemeingüter, bis hin zur Mozilla Foundation.

Nichts Folkloristisches also an den Walliser Institutionen, von denen im Folgenden die Rede sein wird. Ein bedeutender Teil des zeitgenössischen institutionellen Denkens hält sie für eines der Referenzmodelle, um das zu regieren, was sich sonst schlecht regieren lässt.

Der bisse, das Ding und das System

Ein bisse ist ein offener Bewässerungskanal, der sein Wasser am Gletscher oder am Wildbach fasst und es im Gefälle bis zu den Weiden, Reben und Obstgärten leitet. Das Wort stammt vielleicht aus dem Altkeltischen; sein Ursprung bleibt umstritten. Zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts zählte das Wallis noch über zweihundert aktive bisses, mit insgesamt rund eintausendachthundert Kilometern Kanälen¹⁷. Ein Teil davon ist seither verschwunden, weil die Kulturen, die er speiste, aufgegeben wurden, oder wurde durch unterirdisch verlegte Druckleitungen ersetzt. Ein anderer Teil, mancherorts erst kürzlich mit erheblichem Aufwand wieder in Betrieb genommen, bleibt aktiv. So sehr, dass im Dezember 2023 die traditionelle Bewässerung, für die die Walliser bisses – auf Deutsch Suonen genannt – neben anderen alpinen und europäischen Systemen eines der Hauptbeispiele bilden, in die repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco aufgenommen wurde.

Diese Aufnahme bezieht sich nicht auf die Kanäle selbst. Sie bezieht sich auf das System der bisses: die kollektive Art und Weise, wie sie verwaltet werden, also die Institution, die dafür zuständig ist. Der bisse als materielles Objekt ist nur eine in den Hang gegrabene Rinne. Was zum Kulturerbe zählt, sind die Regeln, die ihn beleben: die Liste der Wasserberechtigten, die Berechnung der Wasserstunden, der Rhythmus der Unterhaltsfronarbeit, die Aufteilung bei sommerlicher Wasserknappheit, die vorgesehenen Sanktionen für jene, die ihren Anteil unrechtmässig abzweigen. Diese Regeln wurden schriftlich festgehalten, teils schon im sechzehnten Jahrhundert. Sie haben sich seither kaum verändert, weil sich die Physik, auf die sie antworten, ebenfalls nicht verändert hat.

Die Institution, die diese Regeln trägt, nennt sich Consortage: rechtlich eine Vereinigung von Inhabern von Wasserrechten, in manchen Tälern auch Consorts genannt. Das Consortage gehört niemandem im Besonderen; es gehört der Gesamtheit seiner Mitglieder, die zugleich Nutzer und Verwalter sind. Weder Aktionäre noch auszuschüttender Gewinn noch Börsenkurs. Ein Präsident, ein Kassier, eine Versammlung, die sich mindestens einmal jährlich trifft, und ein Heft, in dem die Wasserstunden und die Fronarbeiten festgehalten werden. Eine Genossenschaft im Grunde, deren Kapital weder finanzieller noch moralischer Natur ist: Es ist das Wasser selbst, auf seinem Weg vom Gletscher in die Ebene.

Die bourgeoisie

Neben dem Consortage, das typischerweise das Wasser und seltener den Wald verwaltet, steht eine umfassendere Institution: die bourgeoisie, jene traditionelle Walliser Bürgergemeinde, die das gemeinschaftliche Erbe des Dorfes verwaltet. Das Wort verwirrt leicht, weil es anderswo in Europa eine ganz andere soziologische Bedeutung trägt. Mit dem städtischen Bürgertum des neunzehnten Jahrhunderts hat das hier nichts zu tun. Die Walliser bourgeoisie ist die direkte Erbin der mittelalterlichen Dorfgemeinschaft, jener, die gemeinsam die sogenannten Burgergüter besass: Weiden, Wälder, mitunter Gebäude, seltener Wasser. Als sich im neunzehnten Jahrhundert die modernen politischen Gemeinden bildeten, verschwanden diese Gemeinschaften nicht. Sie wurden als eigenständige Körperschaften beibehalten, mit eigener Rechtspersönlichkeit, einem von der Munizipalgemeinde getrennten Vermögen und einer eigenen Führungsstruktur.

Der Kanton zählt heute rund einhundertvierzig davon¹⁸. Manche sind fast symbolischer Natur, ihr Vermögen beschränkt sich auf wenige Parzellen. Andere wiegen als eigentliche Wirtschaftsakteure: Wälder, Alpweiden, Beteiligungen an lokalen Wasserkraftgesellschaften, Immobilien, Forst- oder Hotelunternehmen. Sitten, Brig oder Siders verwalten ein beträchtliches Vermögen und investieren wie eine Stiftung mit langem Zeithorizont. Am anderen Ende des Spektrums führen bourgeoisies kleiner Bergdörfer ihre Bücher in Heften und funktionieren auf eine Weise, die sich seit dem achtzehnten Jahrhundert wohl kaum grundlegend verändert hat. Zwischen diesen beiden Polen gibt es jede erdenkliche Abstufung.

Was sie eint, liegt weniger in der Grösse als in der Struktur. Eine bourgeoisie ist konstruktionsbedingt eine Körperschaft mit langer Zeitperspektive, ohne auszuschüttende Dividenden: Ihr Vermögen wird an die nächste Generation weitergegeben, zumindest in dem Zustand, in dem sie es empfangen hat. Ihre Versammlung bringt Menschen zusammen, die sich kennen, eine gemeinsame Geschichte teilen und wissen, dass ihre Entscheidungen von denen beurteilt werden, die nach ihnen kommen; von anonymen Vollmachten ist das weit entfernt. Ihr Kapital ist bodengebunden und institutionell statt monetär, was sie dem Finanzmarkt fremd macht. Sie ist einer Abstammungslinie verpflichtet, nicht einer Aktionärsstruktur.

Diese lange Zeitperspektive macht sie schlecht geeignet, um rasch die Richtung zu wechseln, innert Wochen Kapital aufzunehmen oder kühne unternehmerische Risiken einzugehen. Sie macht sie hingegen gut geeignet für das, woran die heutige Wirtschaft scheitert: ein Vermögen über mehrere Generationen zu tragen, träge Ressourcen zu verwalten, Projekte zu finanzieren, deren Rentabilität sich in Jahrzehnten bemisst. Kein privates Unternehmen hätte einen bisse fünfhundert Jahre lang unterhalten. Keine zentralisierte Verwaltung hätte dies mit der Feinabstimmung der Consortages zustande gebracht. Bourgeoisie und Consortage besetzen den Raum eines dritten Weges, den man lange für nebensächlich hielt und der gerade wieder strategisch wird, in einer Zeit, in der unsere Gesellschaften Ressourcen, die der Markt verschleudert und der Staat kaum schützen kann, dauerhaft verwalten möchten.

Die société d'alpage und die Transhumanz

Eine dritte Institution vervollständigt dieses Bild: die société d'alpage, die Alpgenossenschaft, wie man auf Deutsch sagt. Sie organisiert den Alpaufzug der Herden auf die Sommerweiden, die Aufteilung der Weideflächen, den Unterhalt der Hochgebirgshütten und organisierte einst die gemeinschaftliche Käseherstellung in den gemeinsamen Kesseln. Weniger sichtbar als bourgeoisie oder Consortage, folgt sie denselben Grundsätzen – freiwilliger Beitritt, schriftliche Regeln, geteilte Führung, Weitergabe über Generationenlinien –, besteht ebenso lange und funktioniert weiterhin in den Tälern, in denen die Bergviehzucht fortbesteht.

Diese drei Institutionen sind in der Praxis nicht voneinander getrennt. Sie überschneiden sich, teilen sich oft ihre Mitglieder, mitunter ihre Räumlichkeiten, gelegentlich ihre Präsidenten. Ein und derselbe Einwohner eines Oberwalliser Dorfes kann im selben Jahr an der Bourgeoisialversammlung abstimmen, seine Wasserstunden beim Consortage begleichen und seine Fronarbeit bei der société d'alpage leisten. Eine solche institutionelle Dichte, verbunden mit dieser lebendigen Kontinuität, hat meines Wissens in Westeuropa kaum ihresgleichen. Vergleichbare Systeme finden sich in den Pyrenäen, in Tirol, im Baskenland, aber selten mit diesem dreifachen Nebeneinander und dieser Kontinuität. Anderswo wurden die mittelalterlichen Gemeinschaftsstrukturen von den modernen Revolutionen aufgelöst, zuerst der französischen, dann der industriellen, und die Gemeingüter endeten privatisiert oder vom Staat vereinnahmt. Das Wallis hat, dank einer historischen Eigenheit aus Gebirgsgeografie, konfessioneller Besonderheit und früher Widerstandsfähigkeit gegenüber Zentralisierung, das Wesentliche davon bewahrt. Nicht im Museum: in gelebter, weiterhin wirksamer Praxis.

Warum das zählt

Das Argument, das alles Folgende ordnet, lässt sich in wenigen Worten fassen. Die Walliser Gemeinschaftsinstitutionen sind kein Kulturgut, das es gegen die Moderne zu schützen gilt – das würde bedeuten, sie ins Museum zu sperren und ihnen damit ihren Sinn zu nehmen. Sie bilden eine Grammatik des Regierens: ein kohärentes Gefüge aus Regeln, Praktiken und Strukturen, das erlaubt, gemeinsam zu tun, was man allein nicht zustande brächte. Und diese Grammatik beantwortet Fragen, die die urbane Moderne noch immer kaum klar zu formulieren vermag.

Das Consortage versteht es seit fünf Jahrhunderten, eine endliche Ressource dauerhaft zu verwalten, ohne sie zur Ware oder zum Staatseigentum zu machen. Die bourgeoisie versteht es, ein Gemeinschaftsvermögen über mehrere Generationen zu erhalten, ohne es zu verschleudern oder erstarren zu lassen, indem sie stabile Rechtspersönlichkeit, Führung durch Gleichgestellte und Weitergabepflicht miteinander verbindet. Und was die Verbindung zwischen individueller Nutzung und Gemeingut betrifft, liefert der bisse ein Modell, das funktioniert, innerhalb der strengen Grenzen seiner Wasserstunden und Fronarbeiten, ohne Polizei und ohne notariellen Vertrag.

Diese Fragen sind für das kommende Jahrhundert alles andere als nebensächlich, und sie betreffen längst nicht mehr nur Wasser, Weide und Wald. Sie betreffen Daten, Modelle künstlicher Intelligenz, digitale Infrastrukturen, dezentrale Energiesysteme, wissenschaftliche Gemeingüter. Wenn sich die Denker der digitalen Gemeingüter, zu denen sich auch die Mozilla Foundation zählt, die den Browser Firefox entwickelt, dem Pakt von Törbel zuwenden, geschieht dies nicht aus Verehrung für alpine Folklore: Sie suchen für die Gemeingüter von heute Governance-Modelle, die sich bewährt haben. Und der Pakt von 1483 hat auf diesem Feld einen Vorteil, den nur wenige zeitgenössische Mechanismen für sich beanspruchen können: Er hat fünfhundertvierzig Jahre gehalten.

Das Wallis besitzt also, ohne es sich selbst immer bewusst zu machen, ein seltenes institutionelles Kapital. Man kann es nicht direkt umwandeln. Man verkauft keine bourgeoisie, man verbrieft kein Consortage, und eine bourgeoisie wird sich nicht innerhalb eines Quartals in einen KI-Betreiber verwandeln. Dieses Kapital bleibt dennoch eine Matrix: eine verfügbare, übertragbare, anpassungsfähige institutionelle Form, die als Ansatzpunkt dienen kann, um die Gemeingüter von morgen zu denken und zu bauen.

Was man über die Grenzen wissen muss

Diese Institutionen können nicht alles. Zunächst sind sie langsam: Jede Entscheidung durchläuft Versammlungen und die Auseinandersetzung unterschiedlicher Standpunkte, was Zeit braucht. Sodann sind sie lokal und wenig gerüstet, um Massnahmen zu koordinieren, die über die Gemeinde- oder interkommunale Ebene hinausgingen. Mitunter auch verschlossen: Die Bourgeoisrechtszugehörigkeit wird vererbt, und die Öffnung gegenüber Neuzuzügern bleibt begrenzt, von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich stark. Und schliesslich sind sie wirtschaftlich bescheiden, fähig, langfristige Vermögenswerte zu tragen, aber selten in der Lage, allein industrielle Investitionen grösseren Ausmasses zu stemmen.

Diese Grenzen sind real, und sie schärfen die Aussage, statt sie zu entkräften. Die Walliser Gemeingüter sind keine Lösung für alles. Sie bilden eine institutionelle Form unter anderen, mit spezifischen Qualitäten, die andere Formen nicht besitzen, und die es verdient, in einer zukunftsgerichteten Überlegung zum Kanton ernst genommen zu werden. Die falsche Frage lautet also «Soll man die bourgeoisies bewahren», deren Antwort selbstverständlich ist und die zu nichts verpflichtet. Die richtige Frage lautet «Was lässt sich mit ihnen aufbauen, ergänzend zu anderen Akteuren, um den kommenden Herausforderungen zu begegnen». Diese Frage versuche ich in den folgenden Kapiteln mit Antworten zu versehen.

Noch eine Präzisierung, der historischen Redlichkeit halber. Dieses Kapitel hat die römisch-katholische Kirche nicht erwähnt, deren Rolle bei der Weitergabe der Walliser Gemeinschaftstraditionen dennoch entscheidend war: Pfarreien, Abteien, liturgische Feste, die den Kalender der Arbeiten rhythmisierten, kirchliche Schulen, die in den Tälern lange den Unterricht trugen. Diese Verflechtung ist seit fünfzig Jahren zurückgegangen, bleibt aber in der Zusammensetzung der dörflichen Solidaritäten und in bestimmten kollektiven Rhythmen erkennbar. Ich mache daraus keinen strategischen Akteur dieser Zukunftsbetrachtung. Ich konnte sie aber auch nicht ganz übergehen.

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Die französische Fassung ist massgebend.