Aller au contenu principal

Service IA · Haute-Nendaz, VS

IA souveraine · Calcul et stockage en Suisse

Le Bisse Cognitif

Kapitel 12

Bildung, Umschulung, alpiner Campus

16 Min. Lesezeit

Wer lernt was, wo und wie, in einem Kanton, dessen Erwerbstätige ihre Berufe in einem beispiellosen Tempo verändert sehen werden? Diese Frage wirkt bescheidener als jene der Souveränität, die im vorangegangenen Kapitel behandelt wurde, dürfte aber für das kommende Jahrzehnt noch entscheidender sein.

In der öffentlichen Debatte des Wallis erhält sie nicht die Aufmerksamkeit, die ihr zusteht. Die Diskussion über Bildung konzentriert sich auf die Studierenden: wie viele Einschreibungen an den Hochschulen, welche Studiengänge wachsen, welche neuen Campusanlagen gebaut werden sollen. Diese Fragen sind wichtig, und der Kanton arbeitet ernsthaft daran: Die HES-SO Valais-Wallis zählt fast dreitausend Studierende, mit stetigem Wachstum, und drei grosse Campusprojekte sind in Sitten, Siders und Brig auf den Horizont 2030 hin angestossen⁴³. Das ist eine gesunde Entwicklung, die einen Apparat der Grundausbildung festigt, den der Kanton braucht.

Doch diese Diskussion lässt jene Frage im toten Winkel, die mir auf zehn Jahre gesehen als die prägendste erscheint: wie die bereits berufstätigen Erwerbstätigen umgeschult werden können. Nicht die jungen Menschen, die neu auf den Arbeitsmarkt kommen – um die kümmern sich die Hochschulen –, sondern die fünfundvierzigjährigen Winzer, die fünfzigjährigen Treuhänder, die sechzigjährigen Hausärzte, und mit ihnen die Hoteliers, die Gemeinderäte, die Pflegenden, die Handwerker, die das eigentliche wirtschaftliche und soziale Gewebe des Kantons bilden und deren Berufe sich in fünf oder zehn Jahren tiefgreifend verändern werden. Sie sind, zusammengenommen, die Masse, an die sich die in diesem Essay beschriebene Transformation tatsächlich richtet. Und es ist ihre Fähigkeit, die neuen Werkzeuge zu integrieren, sich weiterzuqualifizieren, ohne ihre Region oder ihre Stelle zu verlassen, die darüber entscheiden wird, welchen Weg das Wallis einschlägt.

Warum die Erfahrenen und nicht die Jungen

Diese Priorisierung der berufstätigen Erwerbsbevölkerung ist keine blosse Frage der Masse. Sie ergibt sich unmittelbar aus der These, die in den vorangegangenen Kapiteln entwickelt wurde und die nun die Bildungspolitik ausrichten muss.

Der in den Kapiteln 2 und 10 beschriebene Wettbewerbsumschwung entfaltet sich nur dort voll, wo erfahrene Fachleute mit Architekturwissen den Einsatz der KI-Werkzeuge steuern. Es ist diese durch Erfahrung angesammelte fachliche Intelligenz, die im Zeitalter der KI zum strategischen Schlüssel der neuen kognitiven Ökonomie wird.

Die Konsequenz für die kantonale Bildungspolitik ist eindeutig. Die Priorität liegt nicht mehr hauptsächlich darin, die Generation auszubilden, die neu auf den Arbeitsmarkt tritt: Diese wird schnell lernen, durch Nachahmung und Gebrauch, und die Hochschulen leisten bereits ihre Arbeit. Die Priorität liegt darin, jene Generation zu schulen, die heute die Architektur- und Entscheidungspositionen in den Walliser Wirtschaftsstrukturen innehat – Winzer-Kellermeister, Kanzleipartner, verantwortliche Ärzte, unabhängige Hoteliers, KMU-Unternehmerinnen und -Unternehmer –, damit sie verstehen, wie sie die neuen Werkzeuge in ihrem Beruf orchestrieren. Ohne diese Schulung der Erfahrenen bleibt das Potenzial des Wettbewerbsumschwungs theoretisch. Mit ihr wird es zu einem konkreten regionalen Aktivposten.

Diese Priorität hat einen zusätzlichen politischen Vorzug. Die jungen Menschen, die heute in den Arbeitsmarkt eintreten, lernen KI zu Hause, spielerisch, testend, nachahmend. Sie brauchen kein öffentliches Angebot, um ihr zu begegnen: Sie sind ihr bereits begegnet. Die berufstätigen Erfahrenen dagegen haben selten die Zeit, die Lust oder den Rahmen, sich allein damit auseinanderzusetzen. Sie brauchen ein starkes institutionelles Signal, das ihnen sagt, dass diese Transformation sie betrifft, dass sie ernst zu nehmen ist, dass sie eine Investition ihrerseits wert ist. Dieses Signal kann nur ein koordiniertes öffentliches Angebot mit genügend Autorität geben, um befolgt zu werden.

Was existiert, und was fehlt

Bevor irgendetwas vorgeschlagen wird, sei anerkannt, was bereits besteht. Das Wallis ist keine Wüste in Sachen Weiterbildung. Die HES-SO Valais-Wallis bietet ein breites Spektrum an zertifizierenden Nachdiplomstudien an, CAS, DAS, MAS, EMBA, die Wirtschaft, Management, Ingenieurwesen, Gesundheit, Tourismus und Sozialarbeit abdecken. Das Idiap in Martigny organisiert Seminare und thematische Tagungen, die weit über den Kanton hinaus ausstrahlen. Die PH Wallis (HEP-VS) in Brig sorgt für die Weiterbildung der Lehrpersonen. Die Berufsverbände, Treuhänder, Ärzte, Ingenieure, Winzer, bieten ihre eigenen sektorspezifischen Angebote. Die Wirtschaftskammern, die Walliser Wirtschaftsförderung und die Stiftung The Ark organisieren gelegentlich Sensibilisierungsveranstaltungen.

Diese Landschaft ist reichhaltiger, als man oft wahrnimmt. Doch drei ihrer Merkmale begrenzen ihre Fähigkeit, die hier besprochene Transformation zu tragen.

Zunächst die Zersplitterung: Die Angebote existieren, aber sie stehen nebeneinander, statt aufeinander abgestimmt zu sein. Ein Treuhänder, der verstehen will, wie KI seinen Beruf verändern wird, weiss nicht, an wen er sich wenden soll: die HES-SO, seinen Berufsverband, einen privaten Anbieter, eine Weiterbildung ausserhalb des Kantons? Das Angebot ist vorhanden, aber es hat keine erkennbare Eingangstür. Diese Zersplitterung benachteiligt besonders die kleinen Strukturen, die weder die Zeit noch die Mittel haben, den Weiterbildungsmarkt zu analysieren, um sich darin zurechtzufinden.

Sodann die Ausrichtung auf Abschlüsse: Fast alle Walliser Weiterbildungen münden in ein Zertifikat oder ein Diplom. Das ist ein Wert an sich, aber dieses Format entspricht nicht den Bedürfnissen von Erwerbstätigen, die mit vierzig oder fünfzig keinen neuen Abschluss suchen, sondern konkrete Wege, um neue Werkzeuge rasch in ihre tägliche Praxis zu integrieren.

Schliesslich der im Wesentlichen sektorale Charakter: Die bestehenden Weiterbildungen behandeln KI, wenn überhaupt, innerhalb spezifischer Studiengänge – KI für Ingenieure, KI für Pflegepersonal, KI für Wirtschaftswissenschaftler. Die Transformation, die der Kanton erlebt, ist jedoch bereichsübergreifend. Ein Winzer, ein Treuhänder, eine Pflegefachperson in der Spitex, ein Gemeindeangestellter, ein Hotelier haben jeweils unterschiedliche Dinge zu lernen, aber auch gemeinsame: was ein grosses Sprachmodell ist, was es kann und was nicht, wie man eine nützliche Anfrage formuliert, wie man die Qualität einer Antwort bewertet, wie man die Vertraulichkeit von Daten handhabt, wie man überprüft und steuert, was man ihm anvertraut. Dieser gemeinsame Grundstock, der allen Walliser Erwerbstätigen breit und zu einem geringen Kostenbeitrag angeboten werden sollte, wird heute nirgends systematisch abgedeckt.

In diesem Zwischenraum, zwischen dem Abschlussorientierten und dem Sektoralen, zwischen der Hochschule und dem Kommerziellen, zwischen der grossen Bildungsinstitution und der betriebsinternen Weiterbildung, siedelt sich das an, was ich den alpinen Campus nenne.

Was der alpine Campus nicht ist

Um das Missverständnis zu vermeiden, das jedem Vorschlag dieser Art droht, sei zunächst gesagt, was der alpine Campus nicht ist: weder eine neue Ingenieurschule oder eine universitäre Einrichtung (die HES-SO Valais-Wallis und die EPFL decken diesen Bedarf kompetent ab, und der Kanton hat kein Mandat für einen dritten Pol), noch eine zusätzliche Online-Kursplattform (davon gibt es Dutzende, und ihre marginale Produktion ist nicht das Hindernis), noch eine Unternehmensberatung, die sich als Weiterbildung tarnt, noch ein Werbevehikel für bestimmte Werkzeuge.

Was er hingegen ist: ein abgestimmtes, öffentliches oder halböffentliches Instrument, das einen Weg der Kompetenzentwicklung lesbar und zugänglich macht, angepasst an Beruf, Alter und Wohnort jedes Walliser Erwerbstätigen. Er erfindet die Weiterbildungen, die er anbietet, nicht selbst: Er stellt einen Teil davon aus dem bestehenden Angebot zusammen, beauftragt einen anderen Teil bei Institutionen und Anbietern, die ihn produzieren können, und baut selbst einige Module dort, wo sonst niemand es tun wird. Er übernimmt die Rolle des Orchestrators, die heute niemand im Kanton spielt.

Diese Haltung des Orchestrators hat einen wichtigen Vorzug: Sie schafft kein Doppel zum Bestehenden und schont die öffentlichen Ressourcen. Eine neue Institution aufzubauen würde mehrere Dutzend Millionen Franken und mehrere Jahre kosten, bevor eine sichtbare Wirkung entstünde. Ein Orchestrierungsinstrument aufzubauen kostet einen Bruchteil dieser Summe und kann erste Ergebnisse innerhalb von achtzehn Monaten liefern.

Ein Format, das den berufstätigen Erwerbstätigen entspricht

Die Wirksamkeit eines solchen Instruments hängt ebenso von seinem Format wie von seinem Inhalt ab. Mehrere Prinzipien erscheinen mir entscheidend.

Zunächst kurze Modularität. Keine mehrmonatigen Programme, sondern Einheiten von wenigen Stunden bis zu wenigen Tagen, die je nach Bedarf kombinierbar sind. Ein Vierstundenmodul zu den Grundlagen der grossen Sprachmodelle, ein Tag zur Datensteuerung, ein halber Tag zu berufsspezifischen Anwendungen für Treuhänder oder Winzer. Diese Einheiten lassen sich aneinanderreihen, ergeben aber auch einzeln Sinn. Ein Erwerbstätiger, der nur ein einziges Modul besucht, zieht daraus einen unmittelbaren Nutzen, was bei langen Studiengängen selten der Fall ist.

Sodann die Verbindung von Präsenz- und Fernunterricht. Für berufstätige Erwerbstätige, verstreut über den ganzen Kanton, ist reiner Präsenzunterricht ausgeschlossen: Er ist mit dem Berufsleben der Mehrheit unvereinbar. Reiner Fernunterricht ist unzureichend: Das Erlernen digitaler Werkzeuge gelingt besser durch praktische Arbeit im Workshop als durch asynchrones Video. Die richtige Dosierung verbindet beides, mit konzentrierten Präsenzsitzungen, vielleicht vierteljährlich, an mehreren Orten des Kantons, und einer Fernbetreuung zwischen den Sitzungen. Die Walliser Geographie, geprägt von verstreuten Tälern, setzt voraus, dass die Präsenzsitzungen an mehreren Punkten organisiert werden, mindestens in Sitten, Siders, Martigny, Visp und Brig, und idealerweise an einigen ortsnahen Standorten in den bevölkerungsreichsten Tälern.

Berufliche Verankerung. Ein allgemeines Modul über KI, mag es auch noch so gut sein, spricht wenige an. Ein Modul, das konkrete Fälle eines bestimmten Berufs als Beispiele nimmt – die Steuererklärung eines KMU für einen Treuhänder, die Abfassung einer Verfahrensnotiz für einen Gemeindeangestellten, die Rückverfolgbarkeit eines Alpkäses für einen Alpwirtschafter, die Diagnose einer Rebkrankheit für einen Winzer –, spricht diejenigen an, die es besuchen. Das setzt eine Arbeit der sektorspezifischen Inhaltsproduktion voraus, die mit den betroffenen Berufsverbänden zu leisten ist und die nicht an vom Terrain losgelöste Anbieter delegiert werden kann.

Zweisprachigkeit. Der Kanton ist zweisprachig, und die KI-Transformation betrifft die französisch- wie die deutschsprachigen Erwerbstätigen gleichermassen. Ein Instrument, das nur das französischsprachige Wallis oder nur das Oberwallis abdecken würde, würde sein Ziel verfehlen. Die Produktion der Module auf Französisch und Standarddeutsch, und für bestimmte Inhalte, wo es sinnvoll ist, auf Walliserdeutsch und Patois, ist keine Nebensächlichkeit. Sie ist eine Bedingung der Kohärenz mit dem sechsten Kapitel dieses Essays und ein Zeichen des Respekts gegenüber der deutschsprachigen Hälfte des Kantons.

Schliesslich ein geringer Kostenbeitrag für die Lernenden. Wenn das Ziel des Instruments darin besteht, in fünf bis zehn Jahren hundert- bis hundertfünfzigtausend Erwerbstätige zu erreichen, kann es nicht wie ein EMBA bepreist werden. Kostenlosigkeit ist nicht unbedingt die richtige Antwort: Ein kostenloses Modul ist oft eines, das man nicht bis zum Ende verfolgt. Aber ein symbolischer Kostenbeitrag, in der Grössenordnung von einigen Dutzend bis einigen Hundert Franken pro Modul, teils von den Lernenden, teils durch öffentliche Anstrengung finanziert, ist wahrscheinlich die richtige Einstellung. Er signalisiert den Lernenden, dass die Weiterbildung einen Wert hat, ohne zu einer Zutrittsschranke zu werden.

Drei Bildungswege für drei Zielgruppen

Der alpine Campus gliedert sich in mehrere unterschiedliche Bildungswege, je nach Zielgruppe und Zielsetzung.

Zunächst eine gemeinsame Grundbildung: der breiteste und wahrscheinlich am einfachsten umzusetzende Weg. Einige kurze Module, kumuliert vier bis acht Stunden, die den gemeinsamen Grundstock für jeden Walliser Einwohner legen: was ein grosses Sprachmodell ist, was es gut und schlecht macht, wie man eine Anfrage formuliert, wie man eine Antwort überprüft, wie man Vertraulichkeit handhabt. Dieser Weg muss in grossem Massstab zugänglich sein, in Präsenz und aus der Ferne, in beiden Sprachen des Kantons, zu einem symbolischen Kostenbeitrag. Sein Ziel ist nicht, Fachleute auszubilden, sondern zu verhindern, dass die Mehrheit der Walliserinnen und Walliser diese Werkzeuge aus reiner Nachahmung nutzt, ohne ihre Wirkungsweise zu verstehen. Es ist eine Investition in kollektive Grundbildung, vergleichbar mit dem, was die Kantone für die informatische Grundbildung um die Jahrhundertwende geleistet haben.

Dieser Weg ist auch derjenige, der sich am besten auf Gemeindeebene entfalten lässt. Eine Walliser Gemeinde mit einigen Tausend Einwohnern kann, in Partnerschaft mit den anderen Gemeinden des Bezirks und mit Unterstützung des kantonalen Instruments, eine jährliche Präsenzsitzung anbieten, offen für alle ihre Einwohner und nicht nur für ihre Erwerbstätigen. Die Bourgeoisien, jene traditionellen Walliser Bürgergemeinden, die historisch das Gemeindegut verwalten, haben schon immer Formen kollektiver Bildung getragen, und mehrere Gemeinden verfügen bereits über die pädagogische Infrastruktur dafür: Gemeindesäle, Primarschulen zu versetzten Zeiten, Vereinslokale. Es ist die Ebene, auf der die institutionelle Grammatik des Kantons, jener im vierten Kapitel beschriebene dritte Weg zwischen Staat und Markt, den alpinen Campus ohne zusätzliche Bürokratie aufnehmen kann. Und es ist auf dieser Ebene, dass das Instrument für Einwohner sichtbar wird, die von sich aus nicht daran gedacht hätten, sich einzuschreiben.

Sodann eine Schulung der Erfahrenen, die orchestrieren. Das ist der strategische Weg des gesamten Instruments, weil er den weiter oben beschriebenen Wettbewerbsumschwung freisetzt. Er richtet sich an Kanzleipartner, KMU-Führungskräfte, verantwortliche Ärzte, Winzer-Kellermeister, unabhängige Hoteliers, erfahrene Kader der Gemeinde- und Kantonsverwaltungen. Er zielt darauf ab, ihnen nicht das blosse Nutzen der Werkzeuge beizubringen – viele nutzen sie bereits –, sondern deren Architektur in ihrem Beruf: wie man ein komplexes Problem zerlegt, wie man eine Produktionskette aufbaut, in der der Mensch das letzte Urteil behält, wie man die Qualität der Ergebnisse überprüft, wie man seine Teams schult, unter dieser Architektur zu arbeiten. Dieser Weg muss länger, dichter, besser begleitet sein und auf einem Niveau bepreist werden, das seinen Wert markiert, einige Tausend Franken pro Teilnehmer, teils von ihren Trägerstrukturen, teils durch gezielte öffentliche Instrumente finanziert. Er muss auch die Begegnung zwischen Erfahrenen aus verschiedenen Berufen ermöglichen, weil das Erlernen der Architektur sich ebenso sehr aus dem bereichsübergreifenden Austausch wie aus dem fachlichen Inhalt speist.

Schliesslich ein Instrument für gefährdete Zielgruppen, von dem im dreizehnten Kapitel ausführlicher die Rede sein wird. Die gering oder nicht qualifizierten Erwerbstätigen, deren Berufe am stärksten exponiert sein werden, Arbeiter, Verwaltungsangestellte auf niedrigerem Niveau, Dienstleistungen mit geringer Wertschöpfung, brauchen ein spezifisches Instrument, das KI-Bildung mit Begleitung zu weniger exponierten Berufen oder Positionen verbindet. Dieser Weg ist der anspruchsvollste in der Konzeption, weil er die politische Frage der Ungleichheit berührt, die die KI-Transformation verschärfen wird, wenn nichts unternommen wird. Er muss den alpinen Campus mit den Arbeitsämtern, den Umschulungsorganisationen und den föderalen und kantonalen Sozialinstrumenten verknüpfen. Seine öffentliche Sichtbarkeit muss stark sein, weil sie die Bedingung der demokratischen Unterstützung für die laufenden Transformationen ist.

Diese drei Wege richten sich nicht an dieselben Zielgruppen, mobilisieren nicht dieselben Inhalte und haben nicht dieselben Finanzierungsmodalitäten. Aber sie können zusammen gedacht werden, unter demselben institutionellen Dach, weil sie dieselbe Frage beantworten: wie man die Walliser Erwerbstätigen für die anstehende Transformation ausstattet. Es ist die Kohärenz dieser Gliederung, die aus dem alpinen Campus mehr machen würde als ein weiteres fragmentarisches Instrument.

Wer ein solches Instrument trägt

Die Frage der Trägerschaft ist eher politisch als technisch. Mehrere Konfigurationen sind möglich, und jede hat ihre Vorzüge.

Eine eigens dafür geschaffene kantonale Initiative, getragen von einer neuen, zu diesem Zweck gegründeten Struktur, hätte den Vorteil der Sichtbarkeit und Kohärenz, aber den Nachteil der Kosten und der Frist. Der Aufbau einer neuen öffentlichen Struktur dauert zwei bis drei Jahre, und es ist nicht sicher, dass sie es besser machen würde als die bestehenden Akteure.

Ein der HES-SO Valais-Wallis übertragenes Mandat, über einen expliziten kantonalen Auftrag und ein eigenes Budget, ist ein anderer Weg. Die HES-SO besitzt die institutionelle Legitimität, die pädagogische Infrastruktur, die Verbindungen zu den Hochschulen und Berufsverbänden, und sie ist bereits in der Weiterbildung engagiert. Sie könnte, mit einem klaren Mandat und zusätzlichen Mitteln, den alpinen Campus so tragen, wie ich ihn beschreibe. Das ist die realistischste Option, unter der Bedingung, dass das Mandat die Orchestrierungsdimension ausdrücklich übernimmt und sich nicht auf eine Erweiterung des bestehenden Angebots beschränkt.

Eine kantonale Kooperation zwischen mehreren Akteuren, HES-SO, Idiap, Berufsverbände, öffentliche Anbieter, Behörden, formalisiert durch eine Vereinbarung, die Rollen und Finanzierungen verteilt, ist ein dritter Weg. Leichter als eine neue Struktur, verteilter als ein einziges Mandat, aber komplexer zu steuern. Diese Option kann die vorherige ergänzen: die HES-SO als treibende Kraft, die anderen Akteure als vertraglich gebundene Partner.

Der sich selbst überlassene Markt, indirekt unterstützt durch Instrumente der Bildungsfinanzierung, Bildungsgutscheine, Zuschüsse an die Lernenden, steuerliche Entlastung, ist die letzte mögliche Konfiguration. Das ist die liberalste Option, aber sie löst nicht das Problem der Lesbarkeit – die Lernenden wissen weiterhin nicht, an wen sie sich wenden sollen –, und sie überlässt die Inhaltsproduktion Anbietern, die nicht alle über die nötige Fachkenntnis verfügen.

Ich selbst neige zu einer Kombination der beiden mittleren Optionen: ein Hauptmandat an die HES-SO Valais-Wallis, verbunden mit spezifischen Vereinbarungen für Zielgruppen und Inhalte, die sie nicht allein abdecken kann. Diese Konfiguration ist pragmatisch, in achtzehn bis vierundzwanzig Monaten erreichbar und mit den kantonalen Ressourcen vereinbar.

Die besondere Rolle des Idiap

Ich möchte einen Moment bei der Rolle verweilen, die das Idiap in dieser Architektur spielen könnte, denn sie ist ausserhalb des Kantons wenig bekannt und innerhalb unterschätzt. Das Idiap ist eines der zwei oder drei aktivsten unabhängigen KI-Institute der Schweiz. Der EPFL angegliedert, aber autonom, mit Sitz in Martigny, beschäftigt es rund hundert Forschende und Ingenieure und arbeitet seit dreissig Jahren an Themen, die heute im Zentrum der Transformation stehen: Spracherkennung, automatische Sprachverarbeitung, Computer Vision, generative Modelle. Seine Präsenz im Wallis ist eine Chance, die der Kanton nicht vollständig ergriffen hat.

In dem hier beschriebenen Instrument hat das Idiap mindestens drei mögliche Rollen. Es kann Weiterbildungsmodule für qualifizierte Erwerbstätige produzieren, Führungskräfte, Ingenieure, fortgeschrittene Fachleute, die ein solides wissenschaftliches Verständnis benötigen und nicht nur eine blosse Sensibilisierung. Es kann den Kanton bei strukturbildenden technischen Entscheidungen beraten, welche Werkzeuge, welche Infrastrukturen, welche Partnerschaften, indem es eine von kommerziellen Anbietern unabhängige Expertise einbringt. Es kann schliesslich zu den im vorangegangenen Kapitel erwähnten gezielten Projekten beitragen, Modelle regionaler Sprachen, walliserspezifische Berufsanwendungen, die eine Forschung und Entwicklung voraussetzen, die die Ingenieurhochschulen allein nicht abdecken.

Die HES-SO und das Idiap um eine gemeinsame Mission der Bildung und angewandten Innovation für die Walliser Transformation herum zu verbinden, wäre meines Erachtens einer der klügsten Schachzüge, den der Kanton auf zehn Jahre gesehen tätigen könnte. Es braucht dafür keine unverhältnismässigen Mittel. Es braucht eine politische Entscheidung und eine Vereinbarung.

Ein Wort zu den obligatorischen Schulen

Ich werde in diesem Kapitel nicht auf die Frage des obligatorischen und des Sekundarschulunterrichts eingehen, Primarschule, Orientierungsschule, Kollegien, Berufsschulen. Sie folgt eigenen Logiken, föderalen und kantonalen Lehrplänen, Fachdidaktik, Schulgovernance, die den Rahmen dieses Essays übersteigen. Zwei Punkte sind dennoch festzuhalten.

Die jungen Walliserinnen und Walliser, die heute in die Primarschule eintreten, werden um 2040 ihren Sekundarschulabschluss machen. Auf diesen Zeithorizont hin genau vorherzusagen, welche Berufe und welche Werkzeuge ihr Berufsleben beherrschen werden, ist nahezu unmöglich. Das bedeutet nicht, dass man darauf verzichten sollte, sie vorzubereiten; es bedeutet, dass man sie darauf vorbereiten muss, ihr Leben lang zu lernen, mit Werkzeugen zu denken, deren Form sie noch nicht kennen, ein kritisches Urteilsvermögen gegenüber automatischen Erzeugnissen von schwankender Qualität auszuüben. Diese Kompetenzen sind weniger technisch, als man glaubt. Sie sind im Wesentlichen das, worauf gute Bildung immer abgezielt hat.

Die Debatte über KI in der Schule, verbieten, erlauben, rahmen, ist wahrscheinlich schlecht gestellt, solange sie nicht zwischen dem technischen Lernen unterscheidet, das darin besteht, den Umgang mit diesen Werkzeugen zu erlernen und das notwendig sein wird, und dem kognitiven Lernen, das darin besteht, ohne sie zu denken und das ebenso notwendig bleiben wird. Beide sind unverzichtbar, und sie werden nicht in denselben Lektionen erworben. Der Kanton wird über die PH Wallis und die kantonalen Unterrichtsdienste diese Fragen in den kommenden Jahren zu entscheiden haben. Das ist nicht das Thema dieses Essays, aber die Frage besteht, und sie ist komplexer, als sie in der oberflächlichen öffentlichen Debatte erscheint.

Warum jetzt

Die KI-Transformation wartet nicht darauf, dass sich der Kanton in Marschordnung bringt. Sie entfaltet sich in den Unternehmen, in den Verwaltungen, in den Kanzleien, in dem Tempo, in dem sich die Werkzeuge verbessern, also schnell, schneller als jede vorangegangene technologische Transformation. Die Erwerbstätigen, die jetzt lernen, sie zu nutzen, gewinnen einen Vorsprung, der für jene, die abwarten, schwer aufzuholen sein wird. Und die Regionen, die ihre Erwerbstätigen jetzt ausstatten, fangen eine produktive Dynamik ein, die sich auf zehn Jahre gesehen in sehr sichtbaren regionalen Wohlstandsunterschieden niederschlagen wird.

Das Wallis muss nicht mit Zürich und Lausanne bei der wissenschaftlichen Spitzenforschung in KI konkurrieren, es hätte dazu weder die Mittel noch, wie gesehen, das strategische Interesse. Aber es braucht, und es hat die Mittel dazu, seine berufstätigen Erwerbstätigen rasch und breit auszustatten. Diese Ausstattung ist keine Frage schwerer Infrastruktur, sondern von Bildung, Orchestrierung, Zugänglichkeit. Die Instrumente sind vorhanden. Es fehlt die Entscheidung, die sie zu einem Programm zusammenfügt.

Und es fehlt vor allem die Einsicht, dass die Priorität den Erfahrenen gelten muss, die orchestrieren, und nicht den Jungen, die ausführen. Das ist die Umkehrung der Perspektive, die öffentlich übernommen werden muss, damit das Programm seine volle Wirksamkeit entfaltet. Eine Weiterbildungspolitik, die sich an erfahrene Ältere richtet, hat in der Schweiz wenig Vorbild. Sie wird nicht von selbst populär sein. Sie mag gewählten Vertretern, die an andere Prioritäten gewöhnt sind, kontraintuitiv erscheinen. Aber sie ist die Bedingung dafür, dass der Kanton den sich vor ihm auftuenden Wettbewerbsumschwung nutzt, damit diese technologische Transformation zu einem Sprung wird, statt zu einem weiteren Motiv stiller Erosion.

2026 oder 2027 lanciert, kann dieses Programm ab 2028 sichtbare Wirkungen zeigen, auf den Horizont 2030 hin strukturbildend. Das ist ein kurzes Fenster, aber es steht offen. Man sollte zu den Ersten gehören, die sich darauf einlassen. Das Wallis hat in seiner Geschichte gezeigt, dass es das kann, wenn es sich dazu entschliesst: bei der Wasserkraft zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts, beim Qualitätsweinbau in den 1990er-Jahren, jüngst bei der kantonalen Spitalorganisation. Der Moment ist gekommen, es erneut zu tun, bei dem, was meiner Überzeugung nach die prägendste wirtschaftliche Transformation dieses beginnenden Jahrhunderts sein wird.

← Zur Übersicht

Die französische Fassung ist massgebend.