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Le Bisse Cognitif

Kapitel 06

Zweisprachigkeit und sprachliche Identität

10 Min. Lesezeit

Unter den Bestandteilen des immateriellen Erbes sind Sprachen zugleich das Zerbrechlichste und das Strategischste. Was die Walliserinnen und Walliser untereinander sprechen, in ihren Dörfern und Tälern, ist kein regionales Detail. Es bildet die anspruchsvollste Probe für die These dieses Buches, dass Tradition die Infrastruktur der Moderne ist, denn Sprachen sind genau das, was die digitale Moderne am mechanischsten aushöhlt – und zugleich das, was sie am wirksamsten zu dokumentieren erlaubt.

Es gibt wenige Orte in Westeuropa, an denen sich eine Sprachgrenze so genau mit dem Finger zeigen lässt wie im Wallis. Fährt man das Rhonetal von Brig in Richtung Sitten hinab, überquert man an einer ganz bestimmten Stelle einen Bach, die Raspille, die seit Jahrhunderten die Trennlinie zwischen dem alemannischen Oberwallis und dem welschen Mittelwallis markiert. Der Übergang verläuft nicht allmählich, wie andernorts. Er ist scharf. Der Bahnhof von Salgesch kündigt seine Züge auf Walliserdeutsch an; jener von Siders, wenige Kilometer flussabwärts, auf Französisch. Siders selbst ist administrativ zweisprachig, doch die beiden Sprachgemeinschaften vermischen sich kaum, und der Bach, der sie trennt, existiert im Bewusstsein der Bevölkerung mindestens so sehr wie in der Geografie.

Ein offiziell zweisprachiger Kanton mit einer alten, stabilen und auf den Meter genau lokalisierbaren Sprachgrenze – das ist schon bemerkenswert. Noch bemerkenswerter wird es, wenn man hört, was tatsächlich zu beiden Seiten der Raspille gesprochen wird. Auf alemannischer Seite kein Hochdeutsch, sondern Walliserdeutsch, einer der archaischsten und eigenständigsten Dialekte des gesamten deutschen Sprachraums. Auf frankophoner Seite ist das Patois, wo es noch besteht – jene mündliche Alltagssprache der Dörfer, die mit dem Hochfranzösischen nur den Namen der Familie teilt –, kein Französisch: Es ist Frankoprovenzalisch, eine eigenständige romanische Sprache mit eigener Geschichte und eigenen Merkmalen.

Aus rein linguistischer Sicht ist das Wallis also weit mehr als ein zweisprachiger Kanton Französisch-Deutsch. Auf seinem Gebiet leben mehrere Sprachvarietäten, von denen manche weltweit weniger als hunderttausend Sprecher zählen und deren Zukunft im Zeitalter der grossen KI-Sprachmodelle völlig neue Fragen aufwirft.

Walliserdeutsch als seltene Sprache

Beginnen wir mit dem Oberwallis. Walliserdeutsch wird heute von rund achtzigtausend Menschen gesprochen²³, was ungefähr der deutschsprachigen Bevölkerung des Kantons entspricht. Sprachlich gehört es zur Gruppe der höchstalemannischen Dialekte, dem sogenannten Höchstalemannisch²⁴, und zeichnet sich dadurch aus, dass es archaische Züge bewahrt hat, die alle anderen germanischen Dialekte seit dem Mittelalter verloren haben. Der Genitiv ist bei traditionellen Sprechern noch lebendig. Vokale und bestimmte Konsonanten haben eine Form bewahrt, die dem Mittelhochdeutschen nahesteht. Die Prosodie ist so eigenwillig, dass selbst Sprecher anderer schweizerdeutscher Dialekte Mühe haben, sie zu verstehen; für Deutschsprachige, die mit Hochdeutsch aufgewachsen sind, kann Walliserdeutsch buchstäblich wie eine andere Sprache klingen.

Diese Eigenständigkeit ist der Geografie geschuldet. Das Oberwallis ist im Norden, Osten und Süden von hohen Bergen umschlossen und im Westen durch die Sprachgrenze begrenzt. Diese Abgeschiedenheit hat den Dialekt vor jenen Entwicklungen geschützt, die ab dem Jahr Tausend die übrigen germanischen Mundarten verändert haben. Während sich das Hochdeutsche vereinheitlichte und regionale Unterschiede einebnete, blieb das Walliserdeutsch sich selbst treu, und seine Untervarianten – im Lötschental, im Goms, im Vispertal und in der Region Brig – haben je ihre Eigenheiten bewahrt. Wer aus Saas-Fee stammt, wer aus Zermatt kommt, wer aus Münster ist – alle sprechen Walliserdeutsch, aber nicht ganz dasselbe, und man erkennt sich am Klang schon nach wenigen Sätzen.

Zu dieser inneren Vielfalt kommt eine Diaspora hinzu. Im dreizehnten und vierzehnten Jahrhundert wanderten Bauern aus dem Oberwallis über die Hochpässe nach Osten und Süden aus und gründeten Siedlungen im Piemont, im Aostatal, im Tessin, in Graubünden, im österreichischen Vorarlberg und in Liechtenstein. Ihre Nachkommen, die Walser, sprechen bis heute Dialekte, die mit dem ursprünglichen Walliserdeutsch verwandt sind und in manchen abgelegenen Tälern seit sieben Jahrhunderten kaum verändert geblieben sind. Diese Sprachinseln zählen zusammen rund zehntausend weitere Sprecher ausserhalb des Kantons, allerdings in prekärerer Lage: In Italien wird Walserdeutsch kaum mehr an Kinder weitergegeben. Der sprachliche Schwerpunkt bleibt im Wallis.

Frankoprovenzalisch als vergessene Schicht

Auf welscher Seite ist die Geschichte weniger glanzvoll. Die Sprache, die bis ins neunzehnte Jahrhundert im Unter- und Mittelwallis gesprochen wurde, war nicht Französisch, sondern das Frankoprovenzalische, genauer gesagt seine Walliser Varianten, die die Bewohner selbst Patois nennen. Das Frankoprovenzalische ist eine eigenständige romanische Sprache, verschieden sowohl vom Französischen als auch vom Provenzalischen, die historisch die Romandie, Savoyen, das Lyonnais und das Aostatal umfasste. Noch im neunzehnten Jahrhundert war es die Alltagssprache der Walliser Dörfer; das Hochfranzösische setzte sich erst über Schule, Verwaltung und Kirche durch.

Das Walliser Frankoprovenzalisch erlitt das übliche Schicksal regionaler Sprachen unter einem zentralisierenden Staat: Es zog sich Generation um Generation vor dem Hochfranzösischen zurück, bis es nur noch von einer alternden Minderheit gesprochen wurde. Einige Enklaven bestehen fort, wobei Evolène oft als jene Gemeinde genannt wird, in der das Patois am lebendigsten geblieben ist, doch das Meiste ist in den letzten fünfzig Jahren verstummt. Es gibt Vereine zu seiner Pflege, Wörterbücher, Kurse, Patois-Wettbewerbe. Diese Bemühungen verdienen Anerkennung. Echte Trendumkehrungen bleiben dagegen äusserst selten: Das Baskische im spanischen Baskenland und das Katalanische in Katalonien sind die gelungensten Beispiele, und sie setzen politische, demografische und institutionelle Bedingungen voraus, die das Wallis für das Frankoprovenzalische nicht erfüllt.

Die Asymmetrie zwischen den beiden Sprachseiten des Kantons ist aufschlussreich. Das Walliserdeutsch hält sich: Es bleibt die Alltagssprache des Oberwallis, wird an Kinder weitergegeben, in Geschäften gesprochen, ist in den Regionalmedien präsent. Das Walliser Frankoprovenzalisch dagegen hält sich nicht mehr. Dieselbe alpine Geografie hat nicht genügt, um beide zu schützen. Der Unterschied dürfte auf mehreren zusammenwirkenden Faktoren beruhen: dem unterschiedlichen Verhältnis zur Staatssprache, der Struktur der Gemeindeinstitutionen, der Rolle der Kirche bei der Weitergabe, dem relativen Prestige der Standardsprachen. Doch er besteht, und er verändert die Fragen, die sich für die Zukunft stellen.

Was die grossen Modelle nicht wissen

Die grossen Sprachmodelle, jene KI-Systeme, auf denen die Werkzeuge beruhen, deren Gebrauch sich in diesem Jahrzehnt ausbreitet, werden auf gewaltigen Textkorpora trainiert. Diese Korpora werden naturgemäss von den grossen Weltsprachen dominiert: zuerst Englisch, dann Mandarin, Spanisch, Französisch, Deutsch und einige weitere. Für diese Sprachen verfügen die Modelle über Hunderte Milliarden Wörter, über sämtliche stilistischen Varianten, über alle Fachgebiete. Bei kleineren Sprachen schrumpft die verfügbare Masse rasch. Bei regionalen Varietäten, Dialekten, Minderheitensprachen wird sie kritisch.

Das Standardfranzösisch wird von den heutigen Modellen sehr gut bedient: Jeder frankophone Walliser, der mit einem Assistenten auf Französisch interagiert, erhält flüssige, reichhaltige, idiomatische Antworten, weil das Modell Hunderte Millionen französischer Sätze gesehen hat. Beim Hochdeutschen verhält es sich ähnlich. Das Walliserdeutsch dagegen existiert in den Korpora praktisch nicht. Es hat keine normierte Schrifttradition, ist überwiegend mündlich, und das wenige, was in Textform vorliegt – ein paar Sammlungen, ein paar Spezialseiten, Liedtranskriptionen –, umfasst kaum ein paar Megabyte, während das Hochdeutsche mehrere Terabyte umfasst. Für ein Modell ist Walliserdeutsch praktisch unsichtbar. Das Walliser Frankoprovenzalisch, noch weniger dokumentiert, ist es ebenso.

Daraus ergeben sich zwei unmittelbare Folgen von entgegengesetztem Vorzeichen.

Erstes Risiko: die beschleunigte Erosion

Die erste: Im alltäglichen Gebrauch werden KI-Werkzeuge die Erosion regionaler und Minderheitensprachen wahrscheinlich verstärken. Keine Absicht bei ihren Entwicklern; ein mechanischer Effekt. Wenn ein Oberwalliser einen Assistenten benutzt, tut er dies nicht auf Walliserdeutsch, sondern auf Hochdeutsch oder Englisch, weil das Modell dies versteht. Lässt er einen Brief verfassen, kommt er auf Hochdeutsch heraus. Nutzt er ein Transkriptionswerkzeug, erkennt dieses seinen Dialekt schlecht und normiert ihn standardmässig. Jede Interaktion ist, im Kleinen, eine Verschiebung zur dominanten Sprache.

Diese Verschiebung gab es schon vor der KI: Fernsehen, Presse, Schule, Verwaltung drängten seit langem in dieselbe Richtung. Doch die KI bringt einen Wechsel der Grössenordnung. Wo das Fernsehen die Oberwalliser zwei bis drei Stunden täglich dem Hochdeutschen aussetzte, mischen sich KI-Werkzeuge in alle Aufgaben des Schreibens, Recherchierens, Kommunizierens ein, manchmal mehrere Stunden am Tag, und stets in der Standardsprache. Der normierende Druck wird ununterbrochen.

Dieses Risiko ist nicht spezifisch walliserisch. Alle Minderheitensprachen Europas sind betroffen: Bretonisch, Okzitanisch, Friesisch, Walisisch, Sardisch, Baskisch, Rätoromanisch. Und die ersten beobachtbaren Signale aus diesen Regionen weisen alle in dieselbe Richtung: eine Verschiebung zur Standardsprache, die schneller verläuft als bei früheren Medien und sich mit dem Gebrauch verstärkt. Für das Wallis bedeutet dies, dass das Walliserdeutsch ohne gezieltes Eingreifen in den nächsten zwanzig Jahren schneller an Boden verlieren wird, als es in den vorangegangenen hundert Jahren verloren hat. Das Frankoprovenzalische wird noch schneller verschwinden, was, beim gegenwärtigen Stand, kaum noch etwas ändert: Sein Verschwinden ist bereits weit fortgeschritten.

Zweite Chance: Dokumentation und Weitergabe

Die zweite Folge hat das umgekehrte Vorzeichen, und sie ist es, die das Thema für einen zukunftsgerichteten Essay interessant macht. KI verwässert Minderheitensprachen nicht nur. Unter bestimmten Bedingungen wird sie zu einem mächtigen Werkzeug ihrer Dokumentation und Weitergabe.

Eine Sprache zu dokumentieren bedeutet, sie zu transkribieren, zu analysieren, ihre Varianten zu kartieren, Korpora aufzubauen, Wörterbücher und Grammatiken zu erstellen. All dies erforderte bis vor kurzem ganze Heere von Linguisten, Jahrzehnte an Arbeit und Budgets, die kaum eine regionale Behörde bewilligte. Die KI verändert diese Rechnung. Ein automatisches Transkriptionsmodell verarbeitet in einer Nacht den Inhalt eines Tonarchivs, mit dem ein menschliches Team mehrere Jahre beschäftigt gewesen wäre. Ein Spracherkennungsmodell, trainiert mit einigen Dutzend Stunden gut dokumentierter Aufnahmen, beginnt, Dialekte zu transkribieren, für die bisher kein Werkzeug existierte. Ein Übersetzungsmodell, selbst ein unvollkommenes, dient als erste Brücke, die jungen Sprechern den Zugang zu ihrer eigenen Sprache erleichtert.

Nichts Theoretisches daran. Der Kanton Graubünden erforscht diese Möglichkeiten seit einigen Jahren aktiv für das Rätoromanische, mit ermutigenden Ergebnissen. Die baskischen und katalanischen Regionen investieren massiv in Modelle, die auf ihren Sprachen trainiert sind. Wales hat die digitale Sprachsouveränität zu einem ausdrücklichen Pfeiler seiner Kulturpolitik gemacht. In allen diesen Fällen gilt derselbe Grundsatz: nicht darauf warten, dass die grossen Standardmodelle Minderheitensprachen richtig behandeln – sie werden es nicht von selbst tun, weil sich diese Investition für ihre Entwickler wirtschaftlich nicht lohnt –, sondern auf regionaler Ebene die Korpora und die spezialisierten Modelle aufbauen, die dies ermöglichen.

Für das Wallis stellt sich die Frage also unmittelbar: Wird sich der Kanton damit begnügen, die beschleunigte Erosion seines sprachlichen Erbes zu beobachten, oder wird er, wie andere es getan haben, die Dokumentation und digitale Aufwertung seiner Sprachen selbst in die Hand nehmen? Die Ressourcen sind vorhanden. Die Kompetenzen sind vorhanden: Das Idiap, mit Sitz in Martigny, ist eine international anerkannte Institution der automatischen Sprachverarbeitung, und die HES-SO Valais-Wallis in Sitten kann den pädagogischen Teil und den Transfer zu den lokalen Akteuren tragen. Die Sprecher sind noch vorhanden: achtzigtausend beim Walliserdeutsch, einige Hundert beim Frankoprovenzalischen. Was bislang fehlt, ist eine klare und koordinierte Politik.

Eine strategische Landkarte

Im Zeitalter der grossen Sprachmodelle wird die sprachliche Vielfalt eines Gebiets zu einem strategischen Kapital neuer Art. Nicht nur aus kulturellen oder identitären Gründen, die für sich genommen schon genügen würden, sondern auch aus wirtschaftlichen und politischen.

Wirtschaftlich zunächst. Ein Gebiet, das die digitale Dokumentation seiner Regionalsprachen beherrscht, verfügt über übertragbare Kompetenzen: Die Techniken, die zur Transkription des Walliserdeutschen entwickelt wurden, lassen sich auf andere unterrepräsentierte Sprachen anwenden; die für das Frankoprovenzalische entwickelten Werkzeuge dienen vergleichbaren Sprachen anderswo. Der Markt der Minderheitensprachen ist auf europäischer Ebene grösser, als man annimmt, und es ist ein Nischenmarkt, der strukturell vor den globalen Akteuren geschützt ist, die darin nie ein unmittelbares kommerzielles Interesse sehen werden.

Politisch dann, weil digitale Sprachsouveränität ein Teilbereich der Souveränität schlechthin ist. Ein Kanton, der seine eigenen Sprachen zu dokumentieren weiss, behält die Kontrolle darüber, wie sie dargestellt, archiviert und weitergegeben werden. Er ist nicht auf das Wohlwollen eines kalifornischen Unternehmens angewiesen, damit der Dialekt seiner Grosseltern in den Datenbanken der Zukunft noch existiert. Der Punkt mag heute abstrakt erscheinen; in zehn Jahren wird er es nicht mehr sein, wenn der Grossteil der menschlichen Interaktionen mit Maschinen über Sprachmodelle läuft, deren Zusammensetzung ausserhalb der Schweiz entschieden wurde.

Identitär schliesslich, und tiefer noch. Eine Sprache, die ausstirbt, nimmt Denkweisen, Benennungsweisen, Verbindungsweisen mit sich, die sich nicht wiederherstellen lassen. Ein verschwundenes Patois ist nicht bloss ein folkloristisches Objekt weniger; es ist ein Verlust an Wortschatz, an begrifflichen Kategorien, an Bezug zum Territorium, ohne Entsprechung in der dominanten Sprache, die es ersetzt. Das Walliserdeutsch benennt die alpine Landschaft mit einer Genauigkeit, über die das Hochdeutsche nicht verfügt, weil es von dieser Landschaft und für sie geformt wurde. Verschwindet es, wird die Landschaft nicht einfacher. Sie wird weniger lesbar.

Ein Programm

Was also konkret tun? Die Einzelheiten gehören in die Kapitel des vierten Teils, doch der Rahmen lässt sich schon jetzt abstecken.

Der Kanton kann, in Partnerschaft mit seinen Forschungsinstitutionen, ein Programm zum Aufbau strukturierter Korpora des Walliserdeutschen und des Walliser Frankoprovenzalischen lancieren: Gespräche mit den letzten traditionellen Sprechern, Transkription der Tonarchive, Digitalisierung bestehender Sammlungen. Die Kosten wären, gemessen an einem kantonalen Budget, bescheiden; der Gewinn, an Erbe wie an Ausstrahlung, beträchtlich.

Auf dieser Grundlage können spezialisierte Modelle trainiert oder feinabgestimmt werden: Transkription, Spracherkennung, gegebenenfalls Übersetzung. Sie müssen nicht dem weltweiten Stand der Technik entsprechen oder mit den grossen Assistenten konkurrieren. Ihr Zweck ist es, zu bestehen, den Walliser Institutionen und Nutzern zur Verfügung zu stehen und als Stützpunkt für Dokumentation und Weitergabe zu dienen.

Schulen, Regionalradios, Kulturvereine können in eine Anstrengung öffentlicher Aufwertung eingebunden werden. Denn die beiden Sprachen verlangen nicht dieselbe Geste. Das Walliserdeutsch muss nicht gerettet werden, es ist nicht unmittelbar gefährdet; es muss so ausgestattet werden, dass es lebendig bleibt in einer Zeit, in der die geschriebene Standardsprache alle Lebensbereiche durchdringt. Das Frankoprovenzalische dagegen muss dokumentiert werden, solange noch Zeit dafür ist, das heisst in den nächsten fünfzehn bis zwanzig Jahren, danach werden die letzten traditionellen Sprecher verschwunden sein.

Nichts Defensives an diesem Ansatz. Das Wallis besitzt in seinen Sprachen ein Kapital, das es noch weitgehend unternutzt. Die Zeit ist gekommen, etwas daraus zu machen.

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Die französische Fassung ist massgebend.