Kapitel 06 · 1 min
Zweisprachigkeit und sprachliche Identität
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Das Wallis ist einer von drei offiziell zweisprachigen Kantonen der Schweiz, mit einer Sprachgrenze, die weder geografisch noch administrativ ist, sondern kulturell, und die täglich von Zehntausenden überquert wird. Das Walliserdeutsch (~80'000 Sprecher) ist ein alemannischer Dialekt mit eigenen Merkmalen; das Walliser Frankoprovenzalisch dagegen zählt nur noch einige Hundert Sprecher und stirbt mit der Generation, die es noch beherrscht. Die grossen KI-Modelle, massiv auf Englisch und auf geschriebene Standardsprachen trainiert, höhlen standardmässig die Minderheitensprachen aus: Was nicht in ihren Korpora vorkommt, verschwindet lautlos aus der digitalen Kultur. Es ist der symmetrische Effekt, der die Sache interessant macht. Unter bestimmten Bedingungen wird KI zu einem Werkzeug der Dokumentation und Weitergabe: automatische Transkription von Tonarchiven, Spracherkennung für Dialekte, Übersetzung als erste Brücke. Graubünden erforscht dies aktiv für das Rätoromanische, die baskischen und katalanischen Regionen investieren, Wales hat die digitale Sprachsouveränität zu einem politischen Schwerpunkt gemacht. Das Wallis besitzt die Ressourcen (Idiap, HES-SO), die Sprecher und das richtige Zeitfenster: noch fünfzehn bis zwanzig Jahre, um das Frankoprovenzalische zu dokumentieren. Was fehlt, ist eine ausdrückliche Politik.
Die französische Fassung ist massgebend.