Kapitel 08 · 1 min
Tourismus
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Kein Thema ist im Wallis mehr diskutiert worden. Alle sind sich einig, dass der Tourismus sich wandeln muss; niemand ist sich einig über die Natur dieses Wandels. Das Kapitel schlägt eine Verschiebung vor: den Tourismus nicht als Industrie zu denken, die Übernachtungen produziert, sondern als ein Aufnahmesystem, das mit dem dauerhaften Wohnen verzahnt ist. Drei äussere Kräfte wirken auf das klassische Modell ein: das Klima (eine verlässliche Schneedecke unterhalb von 1800 m wird für die Zeithorizonte 2030–2040 statistisch instabil), die europäische Demografie des Skisports (alternd, weniger zahlreich, wählerischer) und die direkte Konkurrenz anderer Alpenregionen. Die Lex Weber, lange als von aussen auferlegter Zwang empfunden, lässt sich auch als Kompass lesen, der zum Denken über die Zweitwohnung hinaus zwingt. Neben dem Höhenskisport und dem sich verstärkenden Sommertourismus entsteht ein drittes Modell: der produktive Aufenthalt, ein Wohnen von mehreren Wochen bis mehreren Monaten für ein Publikum zwischen Tourist und Bewohner. Für die unabhängige Hotellerie eröffnet der Wettbewerbsumschwung neue Margen bei Personalisierung, mehrsprachiger Sichtbarkeit und feiner Preisgestaltung. Auf zehn Jahre gesehen entscheidet die Frage zwischen einem Wallis, das Akteur bleibt, und einem Wallis, das zur Kulisse wird.
Die französische Fassung ist massgebend.